HILFSPROGRAMME

Im Folgenden stellen wir nur die Bundeshilfen dar. Jedes Bundesland hat zusätzlich zu den Bundeshilfen eigene Hilfsprogramme aufgesetzt.
Daher sich bitte unbedingt bei den jeweiligen Wirtschaftsministerien/IHK erkundigen.

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A. Alle Unternehmen

1. Kreditgarantien über die KfW (Unternehmerkredit, Wachstumskredite, Gründerkredit) und ergänzende Programme über die Förderbanken in den jeweiligen Bundesländern

Es handelt sich um existierende Programme, die massiv aufgestockt und bei denen die Zulassungsvoraussetzungen vereinfacht wurden.
80-90% der Kreditsumme werden von der KfW garantiert. Bei bis zu 3 Mio. Euro Kreditvolumen übernimmt die KfW die Risikoprüfung der Hausbanken. Kredite bis 10 Mio. Euro werden mit vereinfachter Risikoprüfung vergeben.

Wichtig: Es handelt sich bei diesen Programmen nicht um Zuschüsse, sondern um Kreditprogramme, die mit Zins und Tilgung zurückgezahlt werden müssen,
Laufzeit 5 Jahre, 1 Tilgungsfreijahr.

In jedem Fall gilt, dass eine Antragstellung nur für solide Unternehmen möglich ist, die vor der Corona-Krise kapitaldienstfähig waren. Unternehmen, die bereits innerhalb der letzten 3 Jahre vor der Corona-Krise Bonitätsprobleme hatten, können keine Kreditanträge stellen.

Bewilligung: Über Ihre Hausbank; der Bewilligungsprozess dauert eher Wochen, entscheidend ist die Abwicklungsgeschwindigkeit Ihrer Hausbank!
Infos: Service-Telefon der KfW: 0800 539 9000, Antrag zur Vorbereitung des Gesprächs mit Ihrer Bank:  >> zur Webseite
Achtung: Der Antrag kann nur einmal gestellt werden, nachträgliche Änderungen der Kreditsumme sind also nicht möglich.

Tipp: Viele Hausbanken bieten an, kurzfristig Kontokorrentlinien zur Vorfinanzierung des KfW-Kredites einzuräumen.

NEU (Stand 06.04.2020): Bundesregierung beschließt weitergehenden KfW-Schnellkredit für den Mittelstand
Unter der Voraussetzung, dass ein mittelständisches Unternehmen im Jahr 2019 oder im Durchschnitt der letzten drei Jahre einen Gewinn ausgewiesen hat, soll ein „Sofortkredit“ mit folgenden Eckpunkten gewährt werden:

  • Der Schnellkredit steht mittelständischen Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten zur Verfügung, die mindestens seit 1. Januar 2019 am Markt aktiv gewesen sind.
  • Das Kreditvolumen pro Unternehmen beträgt bis zu 3 Monatsumsätze des Jahres 2019, maximal 800.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl über 50 Mitarbeitern, maximal 500.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von bis zu 50.
  • Das Unternehmen darf zum 31. Dezember 2019 nicht in Schwierigkeiten gewesen sein und muss zu diesem Zeitpunkt geordnete wirtschaftliche Verhältnisse aufweisen.
  • Zinssatz in Höhe von aktuell 3 % mit Laufzeit 10 Jahre.
  • Die Bank erhält eine Haftungsfreistellung in Höhe von 100 % durch die KfW, abgesichert durch eine Garantie des Bundes.
  • Die Kreditbewilligung erfolgt ohne weitere Kreditrisikoprüfung durch die Bank oder die KfW. Hierdurch kann der Kredit schnell bewilligt werden.
    Das KfW-Schnellkredit-Programm soll ab 09. April 2020 starten können.   >> zur Webseite

2. Kurzarbeitergeld

Hier übernimmt die Agentur für Arbeit die Lohn- und Gehaltszahlungen ihres Unternehmens für maximal 12 Monate in Höhe von 60 % bzw. 67 % (bei Kindern) des Nettoentgelts. Die Sozialversicherungskosten werden ebenfalls komplett übernommen.
Voraussetzung: Mindestens 10 % der Beschäftigten (inkl. Leiharbeiter) sind von der Kurzarbeit betroffen.

Detaillierte Erklärung des Verfahrens:  >> zur Webseite
Video der Agentur für Arbeit:  >> zur Webseite
Online Antragsformular:  >> zur Webseite

Wichtig: Der Antrag kann rückwirkend bis zum 1. März 2020 gestellt werden.
Bewilligung: ca. 15 Arbeitstage
Tipp: Vorziehen der Gehaltsabrechnung auf den Monatsbeginn verkürzt die Zeit bis zur Auszahlung des Kurzarbeitergelds.

3. Miete, Insolvenzschutz

Miete: Das Kündigungsrecht des Vermieters ist bis Ende Juni suspendiert, sofern der Zahlungsausfall belegbar aus der Corona-Pandemie resultiert. Dies gilt bei der derzeitigen Rechtslage auch für gewerbliche Mieter. Der Mieter kann den Rückstand bis Mitte 2022 abtragen.

Insolvenzschutz: Die Insolvenzantragspflicht ist rückwirkend ab dem 1. März und bis zum 30. September 2020 ausgesetzt, es sei denn die Insolvenz beruht nicht auf den Auswirkungen der Corona-Pandemie oder es besteht keine Aussicht auf die Beseitigung einer eingetretenen Zahlungsunfähigkeit. Für einen dreimonatigen Übergangszeitraum wird auch das Recht der Gläubiger suspendiert, die Eröffnung von Insolvenzverfahren zu beantragen.

4. Steuern (insbes. Einkommens-, Umsatz-, Körperschaftssteuer)

Die Finanzbehörden gewähren Stundungen von Steuerschulden. Steuervorauszahlungen können angepasst oder ausgesetzt werden und auf Vollstreckungsmaßnahmen wird verzichtet.
Kontakt: Steuerberater bzw. zuständiges Finanzamt

B. Kleine Unternehmen, Selbständige und Freiberufler

Nicht zurückzahlbare Zuschüsse zu Betriebskosten für 3 Monate von 9.000 bis 60.000 Euro, je nach Anzahl der Beschäftigten
Die Anträge sind auf Länderebene zu stellen und kumulierbar mit anderen Landes- und Bundeshilfen.
Übersicht der Behörden:   >> zur Webseite
Bewilligung: kurzfristig
Termine: Antragsstellung bis zum 31. Mai 2020

Des Weiteren gibt es auf Länderebene zinslose und nachrangige Darlehen mit bis zu 8 Jahren Laufzeit bei bis zu 3 tilgungsfreien Jahren.

C. Start-ups

Geplant sind Hilfsprogramme mit einem Umfang von 2 Mrd. Euro und den folgenden Elementen, die zügig umgesetzt werden sollen:
Öffentlichen Wagniskapitalinvestoren auf Dachfonds- und auf Fondsebene (z. B. KfW Capital, Europäischer Investitionsfonds, High-Tech Gründerfonds, Coparion) sollen kurzfristig zusätzliche öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, die im Rahmen der Co-Investition zusammen mit privaten Investoren für Finanzierungsrunden von Start-ups eingesetzt werden können. Die Dachfondsinvestoren KfW Capital und Europäischer Investitionsfonds sollen perspektivisch mit zusätzlichen öffentlichen Mitteln in die Lage versetzt werden, Anteile von ausfallenden Fondsinvestoren zu übernehmen.
Tipp: Halten Sie den Kontakt mit KfW Capital, High-Tech Gründerfonds, Coparion, da diese die Mittel erhalten werden und über eventuelle Investitionen entscheiden.

D. Unternehmen der Gesundheitswirtschaft

Ausgleich für verschobene planbare Operationen: Für jedes Bett, das dadurch im Zeitraum vom 16. März bis zum 30. September 2020 nicht belegt wird bzw. für jeden gegenüber dem Vorjahr nicht stationär behandelten Patienten, erhalten die Krankenhäuser eine Pauschale in Höhe von 560 Euro pro ausgebliebenem Patienten und Tag.

Zusätzlich geschaffene Intensivbetten werden mit 50.000 Euro bezuschusst. Dazu sollen noch Länderhilfen kommen.
Der sogenannte „vorläufige Pflegeentgeltwert“ wird auf 185 Euro erhöht.
Die Liquidität der Krankenhäuser wird durch eine auf fünf Tage verkürzte Zahlungsfrist in diesem Jahr zusätzlich gestärkt.

 

ALTERNATIVE FINANZIERUNGSQUELLEN

 

Außerhalb der Finanzierung über den Bankensektor existiert ein breites Spektrum von alternativen Finanzierungspartnern, die in der Regel sehr flexibel und unternehmerisch agieren. Das Volumen der Kreditfonds allein in Europa hat inzwischen über 250 Mrd. Euro erreicht.

1. Fremdfinanzierungen
Diese erfolgen sehr flexibel und zügig ohne die Regulatorien der Finanzaufsicht. Die Zinsgestaltung wird angepasst an die Bedarfs- und Bonitätssituation. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlich ausgerichteter Fonds. Bei der Auswahl des für Ihre Situation geeigneten Finanzierungspartners unterstützen wir Sie gerne.

2. Eigenkapital und eigenkapitalnahe Finanzierungen
Finanzinvestoren stehen mit einem Spektrum von direkten Eigenkapitalbeteiligungen, stillen Beteiligungen und Mischformen zur Verfügung. Auch hier beraten wir Sie gerne bei der Analyse der für Ihre Situation geeigneten Finanzierungsform und der Auswahl des entsprechenden Finanzierungspartners.

 

AKTIONSPLÄNE

 

Vermutlich haben Sie bereits auf die Krise innerhalb Ihres Unternehmens reagiert. Im Folgenden finden Sie eine Checkliste, die Ihnen vielleicht noch ein paar weitere Ideen gibt.

Cash- und Kostenmanagement

  • Alle Linien maximal nutzen
  • Keine Ausgaben ohne Management-Zustimmung
  • Maximale Nutzung aller Zahlungsziele
  • Aufträge stornieren, evtl. automatische Nachbestellungen annullieren
  • Wo möglich zusätzliche Zahlungsziele verhandeln; Liste wichtigster Lieferanten erstellen und Zahlungsziele anpassen
  • Forderungen eintreiben (evtl. mit Nachlässen für Frühzahler)
  • Factoring
  • Lagerhaltung minimieren, Überschüsse verkaufen
  • Marketing-/Werbeausgaben stoppen
  • Produktion auf optimale Größe anpassen, Einheiten stilllegen

Personalmaßnahmen

  • Am wichtigsten: Bleiben Sie positiv! Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter trotz der Krisensituation!
  • Einstellungsstopp
  • Reisestopp
  • Resturlaub nehmen
  • Kurzarbeit beantragen
  • Sonderleistungen reduzieren (Boni, Fortbildung…)
  • Szenarien für evtl. unabdingbaren Personalabbau
  • Caveat: Wiederaufnahme der Geschäfte vorbereiten

Business-Planung

Worst-case Szenarien und Stress-Tests erstellen, z. B.:

  • Was geschieht, wenn mein Umsatz für einen Zeitraum von x Monaten um y % einbricht?
  • Was geschieht, wenn mein kritischer Zulieferer x ausfällt?

Organisation

  • Stellen Sie Krisen-Teams aus Ihren erfahrensten Mitarbeitern zusammen
  • Erstellen Sie gemeinsam Maßnahmenpläne, diskutieren und kontrollieren Sie diese im Idealfall täglich
  • Definieren und verfolgen Sie Ihre KPIs (Umsatz, Volumen, Liquidität etc.) täglich
  • Evtl. externe Unterstützung durch erfahrene Sanierungsberater einholen

Finanzen

  • Verfolgen und nutzen Sie alle Hilfsprogramme auf Landes-, Bundes- und Europa-Ebene
  • Entwickeln Sie ein 3 Monate rollierendes Cash-Planungs-Modell
  • Halten Sie engen Kontakt mit Hausbank, Investoren, anderen Finanzierern